“Vorratsdatenspeicherung? Mir doch egal, ich hab nichts zu verbergen.” Wer diese Meinung vertritt, hat entweder keine Ahnung vom Internet, seinen Regeln, Möglichkeiten und Idealen, oder er hat die Bedeutung des Schutzes der Privatsphäre noch nicht erkannt. Man muss kein chinesischer Dissident sein um etwas vor jemanden (meist vor großen Organisationen und Institutionen) geheimhalten zu wollen. Schonmal in einem Dating-Chat gewesen? Oder pornographisches Material im Internet betrachtet? Es müssen keine großen, bedeutenden Geheimnisse sein, die der Mensch in der hintersten Ecke seines Bewusstseins aufbewahrt. Trotzdem sind sie, so verwerflich sie für andere auch erscheinen mögen, ein wichtiger Bestandteil der freien Gesellschaft in der wir leben.
Nun stelle man sich vor, jeder Schritt den man tut könnte verfolgt werden. Jedes Gespräch, egal über welches Medium könnte zumindest ansatzweise rekonstruiert werden. Das eigene Netzwerk aus Familie, Freunden und Bekannten könnte innerhalb kürzester Zeit analysiert werden. Nicht nur das, mithilfe dieser Informationen wäre es sogar möglich Verhalten vorauszusagen. Klingt verrückt? Utopisch? Unvorstellbar?
Leider nein, das kurz angerissene Szenario ist heute durchaus möglich. Die Infrastrukturen sind da, die Daten auch. Und der, der das Ganze in Verbindung bringt, ist der auch schon da?
Wichtig bei dieser Problematik ist, dass man dass man die Diskussion nicht zu sehr von einem philosophischen Standpunkt aus führt. Es ist keine Frage von Gut und Böse, ob oder ob diese Daten nicht erhoben werden sollten. Statt einer solchen metaphysischen Betrachtungsweise sollte man sich lieber auf das Pragmatische konzentrieren. Fakt ist: für viele Personen, Organisationen und Institutionen ist es ein leichtes ALLES über uns heraus zu finden. Per Handy lässt sich jederzeit unsere Position bestimmen. Anrufe und Nachrichten werden mit GPS-Koordinaten gespeichert, ebenso wie Empfänger und Uhrzeit. Jeder Gang zum Bankautomaten kann mit Leichtigkeit nachgewiesen werden. Es wird aufgezeichnet wie lange wir im Nezt sind und welche Seiten wir besuchen. Bringt man das zusammen lassen sich noch ganz andere Schlüsse ziehen. Mittels Algorhitmen kann ermittelt werden welche Freunde wir haben und wie stark wir mit ihnen befreundet sind, einzig und allein an unserem Kommunikationsverhalten über Telefon, E-Mail und diversen Sozialen Netzwerken. Es ist ein leichtes unser Leben zu 99% zu rekonstruieren und in gewissen Teilen auch vorherzusagen.
Für alle die immernoch denken, dass das alles kein Problem ist und niemand auf die Idee kommen wird diese Daten irgendwie gegen unseren Willen zu verweden, weil ja sämtliche Instutionen und Organisationen von guten, intelligenten und absolut uneigennützig handelnden Menschen geleitet werden, der darf gerne weiter daran glauben. Wer allerdings nur Ansatzweise über diese Entwicklung besorgt ist, wer glaubt dass es sein gutes Recht ist etwas zu verbergen und wer nicht alles akzeptiert so wie es einem gesagt wird, der darf sich auf die kommenden Posts freuen.
2010 25 Mai
“Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.”
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