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Archiv: Montag, 19. Juli 2010

2010 19 Jul

Der Spion im Kinderzimmer

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Ein Hacker aus dem Rheinland soll durch gehackte Web-Cams Mädchen in ihren Kinderzimmern beobachtet haben. Dies wäre nicht der erste Fall dieser Art.

Wie die Staatsanwaltschaft Aachen vergangene Woche mitteilte, habe ein Mann aus der Region Aachen mittels einer Schadsoftware die Computer fremder Mädchen infiziert, um auf diese Weise Zugriff auf die Web-Cams der Mädchen zu erhalten. Ein Alptraum für alle Eltern – der Mann soll rund 150 Kameras gekapert und über einen längeren Zeitraum die Zimmer observiert haben.

© rwetzold  / PIXELIO

© rwetzold / PIXELIO

Aufgedeckt wurde die Spähattacke durch Thomas Floß vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands. Dieser führt regelmäßig Inforveranstalltungen in Schulen zum Thema Datensicherheit und Privatsspähre durch. Dabei führt er regelmäßig auch ein Video vor, das zeigt, wie Kinder heimlich über die gekaperte Web-Cam beobachtet werden. Nachdem sich mehrere Schülerinnen daraufhin mit dem Verdacht bei ihm meldeten, genau das passieren bei ihnen auch, wurde er stutzig und untersuchte die Rechner.

Dabei wurde er auch fündig: Er identifizierte in mehreren Fällen eine Spysoftware, die über den Chat-Dienst ICQ auf die Rechner gelangt war.

Nachdem der Datenschützer die IP-Adresse des Täters im Raum Aachen ausmachen konnte, alarmierte er die Behörden. Die Polizei wurde in der Wohnung des Mannes fündig und konfiszierte mehrere Rechner, auf denen die Video-Feeds zu sehen waren.

Floß selbst geht davon aus, dass die Dunkelziffer wesentlich größer ausfallen dürfte. Viele der Betroffen würden zwar merken, dass etwas nicht stimmt, ihre Sorgen aber niemanden anvertrauen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamte will verstärkt gegen Internetkriminalität vorgehen. Zu diesem Zwecke fordert er, dass ein jeder, der über das Internet Geldgeschäfte abwickelt oder Behördengänge erledigt, sich vorher bei einer staatlichen Stelle registrieren lässt.

Neben diesem Vorschlag fordert der Verband zudem feste Spielregeln für das Internet, um nicht das staatliche Gewaltmonopol zu gefährden. Da das Internet ein hoch frequentierter Ort des Verbrechens ist, die Politik aber lediglich als Zuschauer am Rande das gesetzlose Treiben beobachte, müsse es klare Zuständigkeitskompetenzen geben. Konkret moniert der BDK etwa, dass es keine gesetzlichen Regelungen über die Überwachung von Verdächtigen in sozialen Netzwerken wie Facebook gebe.

Weiterhin enthält die Initiative die Forderung, eine spezielle Task-Force zur schnellen Bekämpfung von Internetkriminalität zu etablieren. Nur ein Prozent der 260.000 Polizisten in Deutschland sei für diesen Job ausgebildet – viel zu wenig, so der BDK. Um die Internetermittlungen besser koordinieren zu können, sei es unumgänglich, ein nationales Internet-Zentrum zu schaffen, bei dem alle Informationen gebündelt werden.

Zudem weißt BDK-Chef Klaus Jansen auf die Gefahr terroristischer Angriffe auf das Internet hin. Ein Angriff auf die digitale Infrastruktur des Landes könne ähnlich verheerend wirken, wie eine Atombombe. Daher sei es nötig, über eine „Resetfunktion“ zu verfügen, um alle strukturrelevantenen Netze im Ernstfall vom Internet abzuklemmen.n.

Diese und weitere Vorschläge präsentierte der BDK vergangene Woche der Bundesregierung, um mittels eines Sofortprogramms gegen die beschriebene Internetkriminalität vorzugehen.


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