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Archiv: Mai 2010

“Vorratsdatenspeicherung? Mir doch egal, ich hab nichts zu verbergen.” Wer diese Meinung vertritt, hat entweder keine Ahnung vom Internet, seinen Regeln, Möglichkeiten und Idealen, oder er hat die Bedeutung des Schutzes der Privatsphäre noch nicht erkannt. Man muss kein chinesischer Dissident sein um etwas vor jemanden (meist vor großen Organisationen und Institutionen) geheimhalten zu wollen. Schonmal in einem Dating-Chat gewesen? Oder pornographisches Material im Internet betrachtet? Es müssen keine großen, bedeutenden Geheimnisse sein, die der Mensch in der hintersten Ecke seines Bewusstseins aufbewahrt. Trotzdem sind sie, so verwerflich sie für andere auch erscheinen mögen, ein wichtiger Bestandteil der freien Gesellschaft in der wir leben.

Nun stelle man sich vor, jeder Schritt den man tut könnte verfolgt werden. Jedes Gespräch, egal über welches Medium könnte zumindest ansatzweise rekonstruiert werden. Das eigene Netzwerk aus Familie, Freunden und Bekannten könnte innerhalb kürzester Zeit analysiert werden. Nicht nur das, mithilfe dieser Informationen wäre es sogar möglich Verhalten vorauszusagen. Klingt verrückt? Utopisch? Unvorstellbar?
Leider nein, das kurz angerissene Szenario ist heute durchaus möglich. Die Infrastrukturen sind da, die Daten auch. Und der, der das Ganze in Verbindung bringt, ist der auch schon da?

Wichtig bei dieser Problematik ist, dass man dass man die Diskussion nicht zu sehr von einem philosophischen Standpunkt aus führt. Es ist keine Frage von Gut und Böse, ob oder ob diese Daten nicht erhoben werden sollten. Statt einer solchen metaphysischen Betrachtungsweise sollte man sich lieber auf das Pragmatische konzentrieren. Fakt ist: für viele Personen, Organisationen und Institutionen ist es ein leichtes ALLES über uns heraus zu finden. Per Handy lässt sich jederzeit unsere Position bestimmen. Anrufe und Nachrichten werden mit GPS-Koordinaten gespeichert, ebenso wie Empfänger und Uhrzeit. Jeder Gang zum Bankautomaten kann mit Leichtigkeit nachgewiesen werden. Es wird aufgezeichnet wie lange wir im Nezt sind und welche Seiten wir besuchen. Bringt man das zusammen lassen sich noch ganz andere Schlüsse ziehen. Mittels Algorhitmen kann ermittelt werden welche Freunde wir haben und wie stark wir mit ihnen befreundet sind, einzig und allein an unserem Kommunikationsverhalten über Telefon, E-Mail und diversen Sozialen Netzwerken. Es ist ein leichtes unser Leben zu 99% zu rekonstruieren und in gewissen Teilen auch vorherzusagen.

Für alle die immernoch denken, dass das alles kein Problem ist und niemand auf die Idee kommen wird diese Daten irgendwie gegen unseren Willen zu verweden, weil ja sämtliche Instutionen und Organisationen von guten, intelligenten und absolut uneigennützig handelnden Menschen geleitet werden, der darf gerne weiter daran glauben. Wer allerdings nur Ansatzweise über diese Entwicklung besorgt ist, wer glaubt dass es sein gutes Recht ist etwas zu verbergen und wer nicht alles akzeptiert so wie es einem gesagt wird, der darf sich auf die kommenden Posts freuen.

2010 5 Mai

Zwitscher mir was

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Als die Twitter-Entwickler Jack Dorsey, Evan Williams und Biz Stone im Jahre 2006 ihren Mikrobloggingdienst vorstellten, dachte sie wohl nicht daran wie einflussreich und weitenreichenstark ihre Plattform einmal werden würde. Heute, vier Jahre später, hat sich das soziale Netzwerk rund um den kleinen blauen Vogel zu einer der erfolgreichsten Web2.0-Anwendungen gemausert.

Für alle die Twitter nicht kennen: es handelt sich hier um eine Art öffentlich einsehbares Tagebuch, wo man eigene Textnachrichten, sogenannte “Tweets” (engl. to tweet = zwitschern), in der Länge von 140 Zeichen posten kann, die dann von allen anderen Benutzern die einem “folgen” gelesen werden können. Die geposteten Tweets werden dann für jeden Benutzer chronologisch in einem Log dargestellt und können auf der benutzerspezifischen Twitterseite abgerufen werden.

Mittlerweile ist Twitter neben anderen sozialen Netzwerken wie Facebook und studiVZ, sowie den Blogs im Allgemeinen zu einer Art tragenden Säule im Web 2.0 geworden. Die Anwendungen des “Mitmach-Webs” werden nicht mehr nur von gelangweilten und mitteilungsbedürftigen Internetusern genutzt, sondern auch vermehrt von Journalisten genutzt. So ergab eine Studie des PR-Unternehmens Cision und der George Washington University, dass 56 Prozent der Journalisten die Rolle von “Social Media” als wichtig für ihre Arbeit einstufen.

Social Media macht den Mainstreammedien Konkurrenz

Laut der amerikanischen Studie nutzen alle Journalisten die Suchmaschine Google. Mit 61 Prozent greifen mehr als die Hälfte der Redakteure auf Wikipedia zurück, noch größer ist die Begeisterung für Blogs: 89 Prozent der Journalisten nutzen diese Form des Web 2.0. Jeder Zweite der Befragten nutzt den Mikrobloggingdienst Twitter. Zum Vergleich: etwa 44 Prozent der Journalisten greifen auf PR-Profis zurück umd etwa Interviews, oder Zugang zu Experten und Quellen zu erhalten.

Da die Umfrage in den USA durchgeführt wurde, lässt sich schwer sagen wie der Trend in Deutschland aussieht. “Genaue Zahlen über die Nutzung von Web 2.0 als Recherchequelle deutscher Journalisten liegen nicht vor. Ich schätze, dass der Prozentsatz in Deutschland niedriger ist. Auf jeden Fall nimmt aber die Bedeutung der sozialen Netzwerke als Recherchequellen zu”, so Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Fest steht zumindest eins: auch wenn die Bedeutung zunimmt, heißt das nicht, dass auch der etwa Inhalt vertrauenswürdiger wird. Dies zeigt sich auch in der Studie wieder, 84 Prozent gehen mit den Informationen aus Social-Media-Quellen eher vorsichtig um.

Die zweiseitige Twitter-Medaille

Auch Twitter ist seine wachsende Bedeutung bekannt, weswegen es natürlich versucht seine eigenen Funktionen für Journalisten und Blogger zu verbessern. In einem Blogeintrag kündigte das Unternehmen die Einführung einer Zitiermöglichkeit an. So wird es künftig über einen HTML-Code möglich sein, Tweets auf externe Seiten einzubinden. Bislang funktionierte das Zitieren von Twitter-Updates nur umständlich mittels textlicher Wiedergabe oder Screenshots. Dies soll nun durch die neue Funktion vereinfacht werden.

Doch wie fast jede Plattform im Netz hat auch Twitter mit Datenschutz- und Sicherheitsproblemen zu kämpfen. So sammelt das Unternehmen zum Beispiel personbezogene Daten und gibt sie auch an Dritte weiter. Diese Informationen werden als Aktivposten in der Bilanz gelistet und man behällt sich vor sie bei einem etwaigen Besitzerwechsel zu verkaufen.

Sicherheitstechnisch ist es vor allem der sogenannte Session Cookie welcher Sorgen bereitet. Das Problem ist, dass der von Twitter verwendete und auf dem eigenen Rechner abgespeicherte Cookie die gleiche Lebenszeit hat wie das Passwort. Für Angreifer ist es also ein leichtes diesen Cookie zu kopieren, das Passwort herauszufinden und somit den kompletten Account zu übernehmen – so lange bis der Benutzer das Passwort ändert. Genaueres zu diesem Thema findet sich hier. Abhilfe würde hier etwa Beispiel eine HTTPS-Verschlüsselte Verbindung schaffen, welche aber derzeit nicht eingesetzt wird.

(pts)


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